MOBILITÄTSKoNZEPT

Finkenwerder

Mehr Flächen – mehr Arbeitsplätze

Der Innovationspark Finkenwerder ist ein etablierter Standort der Luftfahrtindustrie. Jetzt stehen bauliche Veränderungen bevor: die Gewerbeflächen und somit die Zahl der Arbeitsplätze auf der Rüschhalbinsel werden sich weiter vergrößern. Das Zentrum für Angewandte Luftfahrtforschung (ZAL) und das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) erweitern ihre Flächen. Airbus beabsichtigt die Errichtung eines Dienstleistungszentrums (DLZ). Hinzu kommen zwei Neubauprojekte privater Investoren. Und im Stadtteil sind verschiedene Wohnbauprojekte geplant.

Ein integratives Mobilitätskonzept

Da Finkenwerder bereits heute durch Airbus samt Anrainerfirmen und die Ansiedlungen auf der Rüschhalbinsel verkehrlich stark belastet ist, ist allen Beteiligten daran gelegen, den Verkehr verträglich zu gestalten. Die Behörde für Wirtschaft und Innovation (BWI) hat daher die Hamburg Invest (HIE) beauftragt, für Finkenwerder ein Mobilitätskonzept zu entwickeln. Ziel ist ein wegweisendes Konzept für den Stadtteil, das die Verknüpfung mit den Nachbarquartieren berücksichtigt. Es geht dabei nicht allein um eine Reduktion oder Verdrängung des motorisierten Verkehrs. Das Konzept soll zeigen, wie zukünftig Verkehr besser gemanagt, auf emissionsärmere Verkehrsmittel verlagert oder von vornherein vermieden werden kann. Wichtig ist vor allem, einen Prozesses für ein integriertes, akteursübergreifendes und klimaschonendes Mobilitätsmanagement zu initiieren. Innovative Konzepte sind gefragt.

Grundlage, Prognosen und Szenarien

In Zusammenarbeit mit den Unternehmen erstellen die Planerinnen und Planer zunächst eine Kurz-, Mittel- und Langfrist-Prognose sowie mögliche Szenarien für die Entwicklung der Arbeitsbedingungen in der Luftfahrtindustrie. Sie schätzen ab, wie sich zum Beispiel mehr Home-Office und digitale Videokonferenzen statt Besprechungen vor Ort auf die Verkehrsnachfrage auswirken werden.

 

innovationspark-finkenwerder

 

Unternehmen und ihre Mitarbeitenden, ProjektentwicklerInnen, politische VertreterInnen, Behörden und AnwohnerInnen sollen bei der Konzeptentwicklung eingebunden werden. Sie sind die „ExpertInnen vor Ort“.

Angeboten werden Werkstattgespräche und eine Online-Beteiligung über ein Beteiligungs-Tool. Wer in Finkenwerder wohnt oder arbeitet hat die Möglichkeit, Hinweise und Anregungen zur Verbesserung der Bestandssituation zu geben, um so die Entwicklung geeigneter Maßnahmen zu unterstützen. Während der Projektlaufzeit (bis Ende des 1. Quartals 2022) können sich Interessierte dreimal zu verschiedenen Themenbereichen online beteiligen. In einer vierten Runde können dann die Maßnahmenvorschläge bewertet werden.

Die erste Runde zum Themenbereich ÖPNV, Fuß- und Radverkehr lief vom 22. Oktober  bis zum 5. November. Die Ergebnisse werden gerade ausgewertet.

Die Themen für die kommenden Beteiligungsrunden sind: Motorisierter Individualverkehr (MIV), Wirtschaftsverkehr und der Maßnahmenkatalog.

 

Der ÖPNV spielt eine wesentliche Rolle als Verkehrsmittel für die Mitarbeitenden der Unternehmen. Viele Angestellte kommen mit dem Bus oder mit der Fähre aus der umliegenden Region zur Arbeit. Bei der Anbindung von Airbus ist der Fährverkehr entscheidend.

Die PlanerInnen stellen bereits vorliegende ÖPNV-Untersuchungen und vorgesehene Maßnahmen zur ÖPNV-Verbesserung im Umfeld von Finkenwerder zusammen und entwickeln die Konzepte weiter.

Der Radverkehr ist auch als Zubringer zu den Haltestellen des ÖPNV wichtig. Planungen zu Radschnellverbindungen für die Metropolregion Hamburg und Velorouten der Freien und Hansestadt Hamburg werden berücksichtigt, ebenso der Ausbau von Bike & Ride-Anlagen an den S-Bahn-Stationen.

Der Fußverkehr ist im Zulauf zu den Haltestellen und insbesondere im Nahbereich der Fähranleger von Bedeutung.

Die erste Runde zum Themenbereich ÖPNV, Fuß- und Radverkehr lief vom 22. Oktober bis zum 5. November 2021.
Die Ergebnisse werden gerade ausgewertet.

Der Ausbau von Micro-Hub-Konzepten hat in den vergangenen Jahren zunehmend Bedeutung erhalten. Als Verteilerfahrzeuge kommen auch neue Fahrzeuggattungen der Micro-Mobility in Betracht: zum Beispiel Elektro-Lieferwagen und in Ergänzung elektrounterstützte Lastenfahrräder. In Hamburg liefen dazu bemerkenswerte Pilot-Projekte in der Innenstadt, die nun in den Regelbetrieb überführt werden. Mögliche Standorte für Micro-Hubs, Pick-up-Points und Ladezonen werden geprüft.

Der Ausbau der Straßeninfrastruktur für den motorisierten Individual- und Wirtschaftsverkehr kann nicht die bevorzugte Lösung sein – dafür stehen kaum Flächen zur Verfügung. Die PlanerInnen werten die Verkehrsstärken im Kfz-Verkehr auf dem Netz der Hauptverkehrsstraßen aus und zeigen Optionen zur Reduzierung und Verlagerung des Individualverkehrs auf. Sie prüfen Möglichkeiten zum attraktiven Ausbau der Alternativen zum MIV wie eine stärkere Einbeziehung des Rad- und Fußverkehrs und ein verbessertes Mobilitätsmanagement.

Die entwickelten Maßnahmen werden Handlungsfeldern zugeordnet und nach folgenden Kriterien eingeschätzt: Wirksamkeit, Realisierbarkeit, Kostenrahmen und Zeithorizont. Damit werden die sinnvollen und umsetzbaren Maßnahmen ermittelt und geclustert in in kurz- (bis ca. 2025), mittel- (bis ca. 2030) und langfristige (nach 2030) Realisierung. Abschließend wird das Mobilitätskonzept in einem umsetzungsorientierten Maßnahmenkatalog zusammengefasst.